Quarantäne

Ich arbeite an einem Ort, wo man denken könnte, das alle wissen was zu tun ist, wenn es zu einem Coronafall kommt. Doch anders als erwartet, war die Verwirrung groß als eine Mutter mitteilte, sie sei positiv auf Corona getestet worden, der Test ihrer Kinder würde nun ebenfalls stattfinden. Was machen wir jetzt? Was passiert mit uns als Kontakt von einem Kontakt? Also, vorerst nichts. So lange man nur Kontakt zu einer Kontaktperson hatte braucht man keine Sanktionen zu fürchten oder sich über ein mögliches „was wäre wenn“ gedanken machen.

Der Alltag lief also weiter mit der Herausforderung, alle Eltern von dem Fall ohne Informationen zu unterrichten und ihnen freizustellen, ob sie ihr Kind in die Einrichtung geben wollen oder lieber mit nach Hause nehmen möchten. Der Tag verging und alles blieb wie es war. Der nächste Tag brachte die Erkenntnis das Kind der Mutter sei ebenfalls positiv auf Corona getestet worden. Damit mutierten wir in aller frühe zu Kontaktpersonen und gleich morgens unterrichteten wir die Eltern vom neuen Stand der Dinge. Letzlich waren wir den ganzen Vormittag auf unsere Gruppe beschränkt, saßen rum bastelten und wurden von Kollegen eher wie Aussätzige behandelt. Seit dem schwirrt in meinem Kopf ein Lied aus einem Musical von Peter Jannsens herum „Sehr vielen Menschen haftet er an, er Aussatz der ins Abseits führt, der Aussatz der nur Grenzen zieht, vielen haftet er an. Ihr seht euch selbst, euch selbst“

So in etwa jedenfalls und so fühlte ich mich auch. Viele machten einen großen Bogen um uns, hackten auf dem Tragen der Maske im Garten herum, forderten von uns mehr als nur Abstand und verstanden absolut keinen Humor bei dem Thema, aber wehe sie selber wären betroffen und jemand würde sie so behandeln. Aber so ist das mit den Menschen.

Kurz nach meiner Pause (um 13.30 Uhr) bekam ich dann die Info, es würde ermittelt werden, wer in Quarantäne solle und wer nicht. In wie fern die Kontaktpersonen Kontakt mit dem infizierten Kind hatten, wie weit es weg saß, ob Fenster und Türen offen waren und wie lange man sich gemeinsam in geschlossen Räumen aufgehalten habe. Bis zur Entscheidung vergingen dann noch mal gut zwei Stunden und um 15.30 Uhr hatten wir dann endlich die Aussage vom Gesundheitsamt, dass alle Erzieher der Gruppe, die Gruppe selber und alle möglichen anderen Kontaktpersonen ab dem Folgetag für 11 Tage in Quarantäne gehen müssten. Okay, na schön, wieder sorgt Corona und die unheimlich langsam mahlenden Mühlen der Ämter für allgemeine Enttäuschung, denn trotz Maskenpflicht und Abstandsregelungen hat man so langsam wieder angefangen Pläne zu schmieden, sich zu verabreden und unter Einhaltung der Regeln auch wieder unter Menschen zu gehen.

Quarantäne mit Hund in einer Mietwohnung, nein danke. Also die Erlaubnis geholt, die Quarantäne im Haus meiner Eltern unter Einhaltung der Abstands- und Raumregelungen absitzen zu dürfen. Mein Hund geht nicht bei Fremden an der Leine und ist allgemein eher ein schwieriger Hund. Tierheim kommt für mich absolut nicht in Frage, Corona hin oder her, die Angst und den Stress tu ich dem armen Tier nicht an. Koffer gepackt, für alle Eventualitäten gerüstet mit dem Auto am Donnerstag Abend zu meinen Eltern. So nach und nach habe ich mich mit der Tatsache abgefunden, das alles, was für die nächsten 10 Tage geplant war, einfach so verpufft und ausfällt, auch wenn mir das wirklich nicht leicht gefallen ist. Eine E-Mail habe ich nie erhalten, irgendwas funktionierte da bei der Technik wohl nicht. Meine Kollegen haben mir Inhalt und Anhang der Mail rüber geschickt, das ist jetzt nicht allzu viel neues.

So verbringe ich also meinen Tag mit zweimal täglich Fiebermessen, Symtome aufschreiben, mich selbst intensivst beobachten, chatten, Filme gucken, Blogbeiträgen, Handygames und damit meinen Hund zwangs zu knuddeln. Selbstverfreilich verbringe ich meine Zeit auch mit Heuschnupfen und den üblichen daraus folgenden Problemen, ich wasche mir immer nach dem Toilettengang die Hände, daran hat das auftauchen von Corona auch nichts geändert und bevor ich Essen mache wasche ich mir auch meine Hände.

Alles wie immer, selbst meine Körpertemperatur habe ich seit einiger Zeit im Blick und meine Symptome oder mein befinden schreibe ich ebenfalls immer mal wieder auf. Also abgesehen davon, das es jetzt eine Anweisung vom Gesundheitsamt ist, habe ich nichts an meinem Alltag geändert.

Am Montag geht es dann also wieder raus aus der Quarantäne zum Testzentrum, wie man dort hinkommt ist egal, hauptsache man nimmt den Termin wahr und dort sehe ich dann auch meine sich ebenfalls in Quarantäne befindenen Kollegen wieder. Parken kann man dort nicht, da die Straße eine Baustelle ist, aber ein schöner Spaziergang dort hin bei schönem Wetter ist eine tolle Abwechslung zur Quarantäne. Wobei ich bisher nicht über langeweile klagen kann. Mir geht es bestens, ich kann (wenn mein Hund mich lässt) ausschlafen, kein Wecker der klingelt, schlafen gehen wann ich will und den ganzen Tag machen was ich will. So eine Quarantäne kann echt toll sein, wenn man sich mal damit abgefunden hat das es ist wie es ist und nicht mehr geändert werden kann. Wenn der Test negativ ausfällt sitze ich die restliche Woche einfach ab und gehe dann Ende September womöglich wieder arbeiten, aber bis es so weit ist kann sich noch alles ändern.

Tobi wird mit spielen, kuscheln, leckerchen und dergleichen beschäftigt, in der Hoffnung, dass ihn das ein wenig mit auslastet, auch wenn Gassi gehen eigentlich viel schöner ist und Laufen im Wald natürlich noch toller wäre. Leider ist die statistische Wahrscheinlichkeit zu hoch, dass ich im Wald Menschen begegne, denen nahe komme und sie anstecken könnte, daher gleicht Quarantäne eher einem staatlich angeordneten Zimmerarrest. Also solange für den Mist keine Urlaubstage drauf gehen – denn wäre dem so, hätte ich mein Zeug gepackt und wäre nach Schweden für 2 Wochen gefahren – genieße ich eben die Sonne auf der Terrasse, die Freizeit und die Entspannung und grolle nicht länger über diese Situation. Alle geplanten Aktivitäten sind verschoben in der Hoffnung, dass mir dann nicht noch mal dieser Dreck dazwischen kommt.

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